Fantastisch

P1000278 (Foto: Lydia Hofstetter)
Orgelkonzert zum 25-jährigen Jubiläum der Goll-Orgel mit Andreas Jost vom
Sonntag, 22. Mai 2022 in der Pfarrkirche St. Katharina Horw
Martin Heini,
Das zahlreich erschienene Publikum liess sich nicht abhalten vom sommerlichen Wetter und wollte sich das fantastische Konzert mit Andreas Jost, Organist am Grossmünster Zürich und Professor für Orgel an der Zürcher Hochschule der Künste ZHdK, nicht entgehen lassen.

Dieser präsentierte anlässlich des silbrigen Orgel-Jubiläums ein fantasievolles und facettenreiches Programm mit Musik aus fünf Jahrhunderten. Dabei wählte er ausschliesslich Werke der Gattung der Orgelfantasie und zeigte eindrücklich, wie vielfältig und verschiedenartig diese ist.

Gleichzeitig demonstrierte er ein wesentliches Qualitätsmerkmal der Horwer Goll-Orgel: Dank einem geschickten Klangkonzept und einer breiten Palette an Klangfarben ermöglicht sie die Interpretation von Musik aus verschiedensten Epochen. Einmal mehr war es erstaunlich, wie wandelbar der Klang dieses Instruments ist.

Gewichtige Werke von William Byrd, Johann Sebastian Bach, Wolfgang Amadeus Mozart und César Franck bildeten markante Eckpunkte im Programm. Zur Eröffnung erklang Mozarts Fantasie in f-moll. Da diese für eine mechanische Flötenuhr gedacht war, brauchte Mozart nicht Rücksicht auf die Spielbarkeit zu nehmen. Umso vertrackter gestaltet es sich, wenn diese Musik nicht von einer Maschine, sondern mit Händen und Füssen gespielt werden soll. Jost löste diese Aufgabe mit Bravour und beeindruckte gleich zu Beginn mit seiner Spieltechnik.

In der Fantasia in a von William Byrd kam der unglaubliche Fantasiereichtum des englischen Komponisten zum Ausdruck. Andreas Jost spielte das Werk so lebendig und frisch, dass man sich schwer vorstellen konnte, dass es bereits über 400 Jahre auf dem Buckel hat.

Bachs Fantasie G-Dur – auch als «Pièce d’Orgue» bekannt – besteht aus den drei sehr unterschiedlichen Teilen Très vitement, Gravement und Lentement, über welche Jost einen grossen Bogen spannte und souverän zu einem grossen Ganzen zu verbinden wusste.

Mit dem grossangelegten Choral in a-Moll von César Franck, der in seinem Aufbau ebenfalls die Züge einer Fantasie trägt, zeigte Jost eindrücklich die französisch-symphonischen Qualitäten Orgel auf.

Zwischen diesen Klassikern des Orgelrepertoires erklangen jeweils spannende Werke der zeitgenössischen Komponisten Kurt Estermann, Franz Danksagmüller und Jürgen Essl. Sie alle nahmen Bezug zu historischen Vorbildern, schafften spannende Querbezüge und wirkten wie bunte Edelsteine, die dazu beitrugen, dass das Konzert zu einem eindrücklichen Glanzpunkt wurde.


Orgelkonzert Fantastisch 22.5.22
25.05.2022
4 Bilder
Fotograf/-in
Lydia Hofstetter